Padma Balance


INIPI, das Haus der heißen Steine –
die Schwitzhüttenzeremonie


Das Wasser aus dem Horn ergießt sich über die glühend heißen Steine, es zischt, Dampf steigt auf, Großvaters Atem, wie er von den Lakota genannt wird.

Wir sitzen auf der blanken Erde, die wir mit Farn bedeckt haben. Bis zu diesem Moment, den wir in Dunkelheit jeder für sich und doch nah beieinander verbringen, haben wir viel gemeinsam gemacht: die Zeremonie gemeinsam vorbereitet, Steine gesammelt, ein Feuer aufgebaut, die Schwitzhütte abgedeckt, Farn gesammelt, Prayerties geflochten und vor allem zusammen unsere Zeit geteilt. Wir haben ein weites Energiefeld eröffnet durch unseren Einsatz, durch das Teilen unserer Individualität, durch Lachen und Achtsamkeit den Elementen und allen Lebensformen gegenüber. Achtsamkeit und respektvoller Umgang mit all dem was uns umgibt ist ein wesentlicher Aspekt von Zeremonien.

Wir singen und beten, manchmal wird getrommelt oder gerasselt. Wir schwitzen und erleben Erneuerung und Dankbarkeit.

Die Schwitzhütte ist ein dreidimensionales Mandala, sie ist ein Abbild unseres Sonnensystems und geht noch darüber hinaus. Die Schwitzhütte selbst symbolisiert die Erde in die wir uns aufs Neue wie in den Schoß der Mutter begeben um wiedergeboren zu werden, der Altar vor der Schwitzhütte ist der Mond, der die Erde umrundet und der Feuerplatz ein Stück weit von der Hütte entfernt ist Sinnbild für die Sonne. Sonne und Erde werden durch Unci, die Großmutter, verbunden, der Pfad über den die reine Sonnenenergie sich in das Haus der heiligen Steine ergießt und auf dem Feuermann oder Feuerfrau die Steine mit einer Heugabel ins Innere der Hütte tragen.

Wenn die Steine sich während der Zeremonie im Zentrum glühend dem kühlen Wasser hingeben, um die uralten Sauerstoffionen freizugeben und uns damit zu reinigen und zu heilen, dann helfen sie uns, uns an unsere reine ursprüngliche Struktur wieder zu erinnern. Da ist auch ein Tor zu den Sternenwelten. Eine Öffnung tief ins persönliche Innere und damit in das Ein und Alles allen Seins.

Eine Schwitzhütte/Inipi kann man erklären, wirklich be-greifen kann man sie erst, wenn man in ihr sitzt, wenn man sich mit den Elementen, den Spirits (den Geistwesen), den Ahnen, den Energiekreisläufen, der Erde und all jenen die mit uns schwitzen öffnet. In der Dunkelheit sind wir alle gleich, keiner schön, keiner hässlich, ein Raum, in dem wir uns als Geistwesen erleben .

Wir befinden uns inmitten des Schoßes von Mutter Erde, im Einklang mit den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde, wir singen, beten und weiten unser Herz, unser Mitgefühl für alles Sein. Wir beten im Speziellen für andere, dieses bewusste Beten für andere hilft dabei das Ego weniger wichtig zu nehmen und sich für das Selbst zu öffnen.

In diesem heiligen Raum der Inipi reinigen wir uns auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene und in dieser Reinigung kann Heilung sich entfalten.

Sabine Bacher